Die Geschichte der
Aufladung und die ersten Entwicklungsversuche sind fast so alt wie die
Geschichte der Verbrennungsmotore. Bereits Gottlieb Daimler (1885) und
Rudolf Diesel (1896) versuchten durch Vorverdichtung der Luft die
Motorleistung zu erhöhen und den Verbrauch ihrer Motoren zu verringern.
Der Turbolader ist
eigentlich schon ein alter Hut. Alfred Büchi, ein schweizer Ingenieur
aus Winterthur, erfand den Turbolader und meldete ca. 1905 seine
Erfindung zum Patent an. Büchi war aufgefallen, dass herkömmliche
Verbrennungsmotoren einen äußerst schlechten Wirkungsgrad besitzen.
Während max. ein Drittel der als Kraftstoff eingebrachten Energie in
Bewegung umgesetzt wurde, verschwand der Rest (ungefähr je zur Hälfte)
über Kühlung und Abgas ungenutzt "ins Freie".
Büchi's Idee bestand nun darin, die in Form von Temperatur und Kinetik
vorliegende Energie des Abgases zum Antrieb einer Turbine zu nutzen.
Der erste aufgeladene
Motor entstand 1910. Es war ein Zweitakt-Umlauf-Motor und wurde von
Murray-Willat gebaut. Durch die Aufladung ergab sich die Möglichkeit,
bei Flugzeugmotoren die Leistungseinbußen infolge der abnehmenden
Luftdichte in größeren Höhen zu kompensieren.
Im Jahre 1938 wurde der
erste Nutzfahrzeug-Dieselmotor mit Abgasturboaufladung von der schweizer
Maschinenfabrik Saurer gebaut. Erst 1962 wurden von General Motors im
Chevrolet Corvair Monza und Oldsmobile Jetfire die ersten Serien-PKWs
mit Abgasturboaufladung ausgestattet. Der erste turboaufgeladene
PKW-Dieselmotor wurde 1978 von Daimler-Benz im 300 SD eingebaut.
In den USA erfolgten in
den 70er Jahren erste Einsätze von Turboladern im PKW durch die
Hersteller Chevrolet und Oldsmobile. Diese Anwendungen waren aber
vorübergehender Natur, weil trotz des erheblichen technischen Aufwandes
die erreichte Zuverlässigkeit nicht Zufrieden stellend war. Durchgesetzt
hat sich die Turboaufladung erst nach der großen ölkrise im Jahre 1973,
und zwar zunächst im Nutzfahrzeugsektor, deren Dieselmotore heute fast
zu 100 % mit Turboladern ausgerüstet sind.
Durch den Rennsport wurde
in den 70er Jahren die Abgasturboaufladung auch für Otto-Motore populär
gemacht. Hersteller wie BMW und Saab brachten die ersten Fahrzeuge mit
aufgeladenen Benzinmotoren auf den Markt. Auch fast alle anderen
Autohersteller folgten diesem Trend. Das Wort "Turbo" wurde zum Status-
und Modebegriff.
Die aufgeladenen
Benzinmotoren waren zwar sehr leistungsstark, aber nicht unbedingt
sparsam. Wegen den noch relativ großen Turboladern mit entsprechendem
Trägheitsmoment des Läufers reagierten die Turbomotoren nur verzögert
auf Betätigung des Gaspedals. Das so genannte Turboloch bedeutete eine
Komforteinbuße, die erst durch die wesentliche Verkleinerung der
Turbolader behoben werden konnte. Der eigentliche Durchbruch für die
Turbolader in Massenfertigung gelang mit dem aufgeladenen Dieselmotor
für den VW Golf und den Turbodiesel 300 SD der Firma Daimler Benz im
Jahre 1978.
War die
Leistungssteigerung früher das Hauptargument für den Turbolader, so sind
es heute in erster Linie Energieersparnis, verringerte Emissionen und
somit auch der Umweltschutz
In den letzten Jahren gingen auch verstärkt Benzinmotoren mit
Abgasturbolader in Serie.
Bei der Abgasturboaufladung
wird ein Teil der ansonsten verlorenen Abgasenergie zum Antrieb einer
Turbine genutzt. Der Verdichter saugt die Verbrennungsluft an und führt
sie dem Motor verdichtet zu. Die dafür notwendige Leistung wird von der
Turbine erzeugt. Anders als bei der mechanischen Aufladung besteht bei der
Abgasturboaufladung keine mechanische Kopplung mit dem Verbrennungsmotor.
Ein großer Vorteil der
Abgasturboaufladung ist der geringe Verbrauch des Turbomotors gegenüber
dem gleichen Saugmotor, da ein Teil der sonst ungenutzten Abgasenergie zur
Motorleistung beiträgt. Außerdem sind die Reibungs- und Leistungsgewichte
(in Kilogramm Motorgewicht je Kilowatt Leistung) beim Turbomotor gegenüber
dem Saugmotor deutlicher geringer.
Das Höhenverhalten des
abgasturboaufgeladenen Motors ist deutlich besser. Allerdings
verschlechtert sich das Anfahrverhalten, d.h. das „Turboloch“ vergrößert
sich. Ein Saugmotor verliert in großen Höhen infolge des verringerten
Luftdrucks beträchtlich an Leistung. Bei dem Turbomotor steigt die
Turbinenleistung aufgrund des größeren Druckgefälles zwischen nahezu
konstantem Druck vor Turbineneintritt und niedrigerem Umgebungsdruck nach
Turbine deutlich an. Die geringe Luftdichte vor Verdichter wird so zum
größten Teil wieder ausgeglichen. Theoretisch verliert der Motor kaum an
Leistung. Die gleiche Nennleistung wie auf Meereshöhe kann allerdings
nicht erreicht werden, da die Maximale Turboladerdrehzahl bauteilbedingt
begrenzt ist.
Um bei kleinen
Motordrehzahlen ein großes Motordrehmoment zu bekommen bedient man sich
der Stoßaufladung. Hierbei werden die Abgase der Zylinder in einzelnen
Rohrleitungen zur Turbine geleitet. Durch kleine Rohrdurchmesser wird die
kinetische Energie der Abgaspulsation ausgenutzt. Der Druck in den
Leitungen ist nicht konstant. Es dürfen nur Zylinder zusammengefasst
werden, die sich beim Ladungswechsel nicht beeinflussen. Die
Abgasleitungen werden auch innerhalb der Turbine getrennt bis zum Laufrad
geführt. Dies wird mit mehrflutigen Gehäusen erreicht. Je nach Aufwand
werden auch die Abgase jedes einzelnen Zylinders zur Turbine geführt. Die
Pulsation in den einzelnen Abgasrohren regt die Turbinenschaufeln zu
Schwingungen an. Die stoßweise und wechselnde Teilbeaufschlagung
verschlechtert den Wirkungsgrad der Turbine.
Bei Stauaufladung werden die durch das Ausschieben bedingten
Druckpulsationen der einzelnen Zylinder in einem einzigen
Abgassammelbehälter geglättet. Die Turbine kann dadurch im Bereich hoher
Motordrehzahlen bei geringem Druck mehr Abgas durchsetzen. Da der Motor
gegen einen geringeren Abgasgegendruck ausschieben kann, verbessert sich
der Kraftstoffverbrauch des Motors in diesem Betriebsbereich. Nachteilig
wirkt sich das geringere Motordrehmoment bei kleinen Drehzahlen aus. Das
Verfahren wird bei Motoren eingesetzt, die keinen großen
Drehmomentüberschuss zur Fahrzeugbeschleunigung benötigen (z.B. Schiffs-
und Generatormotoren). Die Turbine des Laders wird gleichmäßig
beaufschlagt.
Beim Verlassen des
Zylinders haben die heißen Abgase (Temperatur ca. 1100° C) eine hohe
Restenergie und damit die Möglichkeit, Arbeit zu leisten. Über den
Einlassbereich des Turbinengehäuses strömen die Abgase auf das
Turbinenrad. Der sich verengende Querschnitt des Turbinengehäuses sorgt
dafür, dass die thermische Energie der Abgase in kinetische Energie
umgewandelt wird. Die hohe Strömungsgeschwindigkeit der Abgase versetzt
dann das Turbinenrad in Drehung, d.h. die kinetische Abgasenergie wird in
mechanische Energie umgewandelt. Entsprechend sinken der Druck und die
Temperatur im Abgas. Das Turbinenrad ist mit dem Verdichterrad durch eine
Welle fest verbunden. Vom Verdichter wird Frischluft aus der Atmosphäre
angesaugt, verdichtet und mit dem entsprechenden Druck dem Motor
zugeführt. Dem Motor wird also die Saugarbeit abgenommen. Mit der erhöhten
Kraftstoffmenge für die Vorverdichtete Luft kann der Motor eine höhere
Leistung abgeben. Der wirtschaftliche Gesamtwirkungsgrad des Motors wird
verbessert, d. h. er arbeitet, bezogen auf die Leistung, insgesamt
kostengünstiger.
Die Schmierung und Kühlung
des Turboladers erfolgt über den Schmierölkreislauf des Motors. Das Lager-
oder Mittelgehäuse bildet die Verbindung zwischen Turbine und Verdichter.
Die Turbinenwelle dreht sich im Mittelgehäuse.
Das Schmieröl strömt mit
ca. 4 bar in den Turbolader. Der ölablauf erfolgt nahezu drucklos. Die
Leitung muss daher wesentlich größer im Durchmesser sein als der ölzulauf.
Das Lager soll möglichst senkrecht von oben nach unten durchströmt und der
ölablauf oberhalb des Motorölspiegels in das Kurbelgehäuse zurückgeführt
werden. Wird der ölablauf behindert, kommt es zu einem ölrückstau in der
Lagerung. Das öl strömt dann durch die Dichtringe in den Verdichter und in
die Turbine.
Für Ottomotoren, bei denen
die Abgastemperatur um 200 bis 300 °C höher liegt als bei Dieselmotoren,
werden meist wassergekühlte Lagergehäuse eingesetzt. Während des
Motorbetriebes ist das Lagergehäuse in den Kühlkreislauf des Motors
integriert. Nach dem Abstellen wird die Stauwärme mittels eines kleinen
Kühlkreislaufes abgeführt, der von einer thermostatisch geregelten
elektrischen Wasserpumpe angetrieben wird.
Die Turbinenwelle rotiert
in einem schwimmenden Lagerungssystem, das aus einem oder zwei
Radiallagern besteht. Von der ölpumpe des Motors wird das Motoröl über
verschiedene Kanäle zwischen das Lagergehäuse und die Lager, aber auch
zwischen die Lager und Welle gepresst. Bei den meisten Turboladern drehen
sich die Radiallager halb so schnell wie die Welle. Aber es gibt auch
neuere Versionen, bei denen das Radiallager fest montiert ist.
Die Turbinenwelle schwimmt gewissermaßen in einem ölbad. Das öl dient
nicht nur zur Schmierung der Welle, sondern erfüllt auch eine wichtige
Funktion als Kühlmittel für die Lager, die Welle und das Lagergehäuse. Um ein Übertreten des Motoröls in das Verdichter- bzw.
Turbinengehäuse zu verhindern muss das Lagergehäuse nach beiden Seiten
abgedichtet werden. Hierzu werden bei der dynamischen Abdichtung
Kolbenringe verwendet. Diese Kolbenringe tragen zwar dazu bei, ölleckagen
zu verhindern, garantieren aber keine absolute Abdichtung. Eigentlich
müsste man sie als eine Art Labyrinthdichtung bezeichnen, durch die der
Gas- und Luftstrom von der Turbine bzw. vom Verdichter zum Lagergehäuse
und umgekehrt erschwert wird. Wenn ein Turbolader normal arbeitet, sind
die Drücke in der Turbine und im Verdichter höher als im Lagergehäuse und
dies führt im Betrieb zu einer weiteren ölabdichtung des Lagergehäuses.
Die Gase aus der Turbine und die verdichtete Luft aus dem Verdichter
werden teilweise auch in das Lagergehäuse geblasen und entweichen zusammen
mit dem öl über das ölablaufrohr in das Kurbelgehäuse. Dies ist das
Grundprinzip für die Abdichtung eines Turboladers.
Die Abgase werden vom
Motor, über den Auspuffkrümmer zum Turbinengehäuse geleitet, dessen
Strömungskanal zunehmend enger wird. Bei gleich bleibenden Abgasvolumen
erhöht sich hierdurch die Strömungsgeschwindigkeit der Abgase. Über das
spiralartige, schneckenhausförmige Turbinengehäuse werden die Gase auf das
Turbinenrad geführt, welches dadurch zu drehen beginnt.
Der engste Querschnitt des Turbinengehäuses bestimmt die Geschwindigkeit
der Turbine, vergleichbar mit einem Gartenschlauch; je enger man dessen
Ende zusammendrückt, desto weiter spritzt das Wasser. Die Dimensionierung
des Turbinengehäuses hinsichtlich Größe und engstem Querschnitt ist vom
Gasvolumen, d.h. Zylinderhubraum, von der Drehzahl und von der erwünschten
Motorleistung abhängig.
Sowohl im Nutzfahrzeug als auch PKW-Sektor werden in den letzten Jahren
verstärkt die so genannten VTG- (KKK) oder VNT- (Garrett) Turbolader mit
variabler Turbinengeometrie eingesetzt. Die momentan verwendete variable
Steuerung in Turbinengehäusen, so z.B. im VW Golf TDI, verringert die
sonst übliche Turbolader-Verzögerung ("Turboloch") auf ein Minimum. Ferner
sorgt der Mechanismus, durch Verstellen des Anströmwinkels des Abgases auf
den Turbinenläufer, für ein nahezu optimales Drehmoment in allen Last- und
Drehzahlbereichen des Motors.
Turbinengehäuse werden aus einer qualitativ hohen, warmfesten
Stahl-Legierung gegossen.
Das Turbinenrad selbst
besteht aus einer hochwertigen Eisen-Nickel-Legierung, die im Vakuum
erschmolzen und vergossen wird. Die dazu benötigten keramischen
Schalenformen werden nach dem Wachsausschmelzverfahren hergestellt. Der
Bereich der Turbinenschaufeln, an dem die Abgase einströmen, wird
Gaseintrittskante, und der Abschnitt, der die Abgase zum Auspuffrohr
leitet, wird Gasaustrittskante genannt. Die Welle ist mit dem Turbinenrad
verschweißt und bildet somit eine starre Verbindung zum Verdichterrad. Sie
ist aus einer geringerwertigeren Legierung als das Turbinenrad gefertigt.
Für das Verschweißen wird ein spezielles Verfahren (Reibungsschweißen)
angewendet, bei dem die Welle und ein Schwungrad auf eine Drehzahl von
mehr als 1000 Umdrehungen pro Minute beschleunigt werden. Dann wird der
Schwungradantrieb ausgekuppelt und die Welle definiert gegen das
Turbinenrad gepresst. Durch die Reibung erhitzen sich beide Teile an der
Schweißstelle so stark, dass sie sich verbinden. Nach dem Reibschweißen
erfolgen das Spannungsfreiglühen und die Bearbeitung der Welle. Nach dem
Härten der Lagerstellen wird der Turbinenrotor nochmals einer
Wärmebehandlung unterzogen. Die Bearbeitung der Welle auf die endgültigen
Abmessungen erfolgt durch Schleifen. In diesem Fertigungsprozess werden
besonders hohe Anforderungen an die Maßhaltigkeit und den Rundlauf der
Welle gestellt. Das Toleranzband beträgt nur wenige Tausendstelmillimeter.
Weiterhin wird die Turbinenradkontur geschliffen, der Einstich für den
Kolbenring eingebracht und das Gewinde gerollt. Der fertig bearbeitete
Rotor wird auf speziellen Maschinen ausgewuchtet. (Mittlerweile wird auch
das Lichtbogenschweißverfahren verwendet.)
Das Verdichterrad wird auf
das dünnere Wellenende im Presssitz aufgeschoben. Das Wellenende ist mit
einem Gewinde versehen, auf das eine Mutter zur Sicherung des
Verdichterrades auf den Läufer (Turbinenrad mit Welle und Verdichterrad)
geschraubt wird. Die Verdichterräder werden im Aluminiumdruckguss
hergestellt. Durch Druck wird geschmolzenes Aluminium in einer zuvor
hergestellte Gipsform gefördert. Nach dem Erkalten des Metalls wird der
Gips mechanisch entfernt und das Verdichterrad gehärtet. Als letzter
Arbeitsgang wird der Läufer präzise ausgewuchtet, bevor er in das
Lagergehäuse eingebaut wird.
Das Turbinengehäuse bildet
zusammen mit dem Turbinenrad die Turbine.
Über den Auspuffkrümmer werden die Abgase zum Turbinengehäuse geleitet.
Der Strömungskanal im Turbinengehäuse wird zunehmend enger, wodurch sich
die Strömungsgeschwindigkeit der Abgase erhöht. Der Grund für die
Beschleunigung des Gasstromes ist, dass dasselbe Gasvolumen durch einen
immer kleiner werdenden Querschnitt strömen muss. Über das spiralartige
schneckenhausförmige Turbinengehäuse werden die Gase auf das Turbinenrad
geführt, welches sich dadurch zu drehen beginnt.
Der engste Querschnitt des Turbinengehäuses bestimmt die Geschwindigkeit
der Turbine. Die Auswahl von Größe und engstem Querschnitt des
Turbinengehäuses ist vom Gasstrom, d.h. Zylinderhubraum, von der Drehzahl
und von der erwünschten Motorleistung abhängig.
Je nach Anwendungsgebiet weisen Turbinengehäuse große Unterschiede auf.
Bei Lkw-Turboladern finden wir oft ein zweiflutiges Turbinengehäuse, in
dem beide Gasströme erst kurz vor der Beaufschlagung des Turbinenrades
vereinigt werden.
Mit einem solchen Gehäuse wird eine Stoßdruckaufladung (Impulsaufladung)
möglich. Dabei wird außer der Temperatur auch die kinetische Energie der
Abgase genutzt. Dies erfordert getrennte Abgasleitungen. Beim zweiflutigen
Turbinengehäuse wird jeder Strom über den gesamten Umfang des
Turbinenrades geführt. Eine andere Bauweise, die die Stoßdruckaufladung
nutzt, stellt das Doppelstrom-Gehäuse dar. Hierbei wird von jedem Strom
der halbe Umfang des Turbinenrades beaufschlagt. Im Gegensatz dazu wird
bei der Staudruckaufladung (mitunter auch Gleichdrucksystem genannt) nur
die Form von Temperatur der Abgase vorliegende Energie genutzt. Hierzu
kann man einflutige Turbinengehäuse verwenden. Diese Bauweise hat sich vor
allem bei wassergekühlten Turbinengehäusen für Schiffsmaschinen einen
Platz erworben. In Turboladern für große Motoren ist vor dem Turbinenrad
mitunter ein Düsenring (Turbinenleitkranz) angeordnet. Mit dem Düsenring
wird eine sehr gleichmäßige Beaufschlagung des Turbinenrads und eine
Feinregelung des Volumenstroms durch die Turbine ermöglicht.
Bei den neuen Fahrzeugen werden sowohl im Nutzfahrzeug als auch PKW-Sektor
die so genannten VTG- (KKK) oder VNT- (Garrett) Turbolader mit variabler
Turbinengeometrie eingesetzt. Veränderbare Strömungsquerschnitte im
Turbinengehäuse zu schaffen, wäre ein Idealzustand, der schon 1958 von
Chrysler bei Gasturbinen in PKW angestrebt wurde. Die derzeitige variable
Steuerung in Turbinengehäusen so z.B. im VW Golf TDI verringert die sonst
übliche Turbolader-Verzögerung auf ein Mindestmaß, da mit steigendem Abgas
auch der Volumen im Gehäuse vergrößert wird und die Turbine bei höheren
Drehzahlen oder Volllast dennoch optimal arbeitet.
Das Turbinengehäuse wird aus einer hoch warmfesten Stahllegierung
gegossen. Das Turbinenrad selbst besteht aus einer hochwertigen
Eisen-Nickel-Legierung. Der Bereich der Turbinenschaufeln, an dem die
Abgase einströmen, wird Gaseintrittkante, und der Abschnitt, der die
Abgase zum Auspuffrohr leitet, wird Gasaustrittkante genannt.
Die Welle ist mit dem Turbinenrad verschweißt und bildet somit eine starre
Verbindung zum Verdichterrad. Sie ist aus einer geringwertigeren Legierung
als das Turbinenrad gefertigt. Für das Verschweißen wird ein spezielles
Verfahren (Reibungsschweißen) angewendet, bei dem Welle und Turbinenrad in
eine gegenläufige schnelle Umdrehung versetzt und aneinandergepresst
werden. Infolge der Reibungswärme verschmelzen beide Materialien an der
Berührungsfläche und bilden danach eine Einheit.
In Höhe der Verschweißung befindet sich in der Welle ein Zwischenraum, der
als Wärmeübertragung vom Turbinenrad zur Welle hemmen soll. An der
Turbinenseite der Welle befindet sich eine Nut, in die ein Kolbenring zur
Abdichtung eingesetzt wird. Die Lauffläche der Radiallager wird gehärtet
und feingeschliffen. Der Druckring für das Axiallager muss absolut
senkrecht zur Wellenachse stehen und präzise bearbeitet sein. Das
Verdichterrad wird auf das dünnere Wellenende im Presssitz aufgeschoben.
Das Wellenende ist mit einem Gewinde versehen, auf das eine Mutter zur
Sicherung des Verdichterrades auf den Läufer (Turbinenrad mit Welle und
Verdichterrad) geschraubt wird. Als letzter Arbeitsgang wird der Läufer
sehr genau ausgewuchtet, bevor er in das Lagergehäuse eingebaut wird.
Der Turbolader ist
strömungstechnisch ausschließlich durch die Ladeluft und den Mengenstrom
der Abgase mit dem Motor verbunden. Seine Drehzahl ist nicht von der
Motordrehzahl abhängig, sondern von der Leistung, die der Motor abgibt.
Wenn man dem Motor mehr Kraftstoff zuführt, wird die Energie in den
Abgasen erhöht, wodurch sich die Läuferwelle des Turboladers schneller
dreht und der Ladedruck steigt. Dadurch wird mehr Luft in die einzelnen
Zylinder des Motors gepumpt, so dass wiederum mehr Kraftstoff zugefügt
werden kann.
Durch eine weitere Verkleinerung der Turbolader können heute auch Motore
mit einem Hubraum unter 1,0 Liter für PKWs oder sogar Motorräder
aufgeladen werden.
So z. B. im Smart, dessen Turbolader mit Drehzahlen bis zu 290.000 U/min
läuft.
Bei aufgeladenen
Ottomotoren ist die Drosselklappe, mit der die Motorlast vorgegeben wird,
hinter dem Verdichter im Luftsammler angebracht. Bei einer plötzlichen
Gaswegnahme würde sich die Drosselklappe schließen und der Verdichter
infolge seiner Massenträgheit Luft gegen ein nahezu geschlossenes Volumen
fördern. Dies hätte zur Folge, dass der Verdichter anfangen würde zu
pumpen. Die Drehzahl des Turboladers würde sehr schnell abnehmen
Im Umluftventil öffnet ab
einem bestimmten Unterdruck ein federbelastetes Ventil, das die Luft zum
Verdichtereintritt zurückführt. Die Drehzahl des Turboladers bleibt auf
hohem Niveau, und bei einem anschließenden Beschleunigungsvorgang steht
sofort wieder Ladedruck zur Verfügung
Das Leistungsgleichgewicht
zwischen Verdichter (Luftseite) und Turbine (Abgasseite) eines Turboladers
ohne Ladedruckregelung führt zu einem Ladedruck, der sich proportional zur
Abgasenergie des Motors verhält. In Motoren, die über einen sehr großen
Drehzahlbereich arbeiten, wie z.B. Personenkraftwagen, ist ein möglichst
hoher Ladedruck bereits bei niedrigen Drehzahlen wünschenswert.
Abgasturbolader mit Ladedruckregelung bieten hier eine Lösung. Indem man
ein Turbinengehäuse mit engem Querschnitt wählt, kommt die Turbine bzw.
das Turbinenrad schon bei einer geringen Abgasmenge auf Drehzahl und der
gewünschte Ladedruck wird schnell erreicht.
Das Überdruckventil
begrenzt den weiteren Druckanstieg, obwohl die Motorleistung weiter erhöht
wird. Bei Turboladern mit einem großen Turbinengehäuse baut sich in der
Regel der Ladedruck erst sehr spät auf und der höchste Ladedruck wird erst
bei hoher Motordrehzahl erreicht.
Mittlerweile werden Turbolader mit verstellbarer Turbinengeometrie (VNT /
VTG) eingesetzt die fast über der gesamten Motordrehzahl den besten
Ladedruck erzielen; auf ein Überdruckventil zur Ladedruckregelung kann
also verzichtet werden.
Die elektronische
Ladedruckregelung ermöglicht es, den Ladedruck über den gesamten
Drehzahlbereich auf einen gewünschten, im Kennfeld gespeicherten Wert zu
regeln. Besonders im unteren Drehzahlbereich ist es wichtig, einen
schnellen Ladedruckanstieg zu erzielen. Das drückt sich direkt im
Drehmoment und damit in den Durchzugsvermögen des Motors aus. Das
kennfeldgesteuerte Absenken des Ladedrucks in Verbindung mit einer
Zündverstellung ist eine wirkungsvolle Maßnahme für die Klopfregelung.
Gegenüber der rein
pneumatischen Regelung, die nur als eine Begrenzung des Volllastdruckes
wirken kann, wird durch eine flexible Ladedruckreglung auch die
Einstellung des optimalen Ladedruckes bei Teillast ermöglicht. Der
Ladedruck kann dabei in Abhängigkeit einer Vielzahl von Parametern wie z.
B. der Ladelufttemperatur, des Zündwinkels bzw. der Einspritzparameter und
der Kraftstoffqualität optimal eingestellt werden. Auch eine zeitweilige
Überhöhung des Ladedruckes beim Beschleunigen (Overboost) ist möglich.
Die Betätigung der Klappe
erfolgt wie bei der vorher beschriebenen selbstregelnden Ladedruckreglung.
Anstelle des Ladedruckes wird die Membrane der Steuerdose mit einem
modulierten Steuerdruck beaufschlagt. Dieser Steuerdruck ist niedriger als
der Ladedruck und wird mit einem Taktventil erzeugt. Das Taktventil
beaufschlägt die Membrane mit dem Ladedruck und dem Druck am
Verdichtereintritt zu unterschiedlichen Zeitanteilen. Das Taktventil wird
von der Motorelektronik angesteuert und arbeitet mit einer Taktfrequenz
von 10 bis 15 Hz. Die Federvorspannung ist gegenüber der herkömmlichen
Steuerung wesentlich geringer, um auch bei Teillastbetrieb des Motors,
also bei weitaus geringerem Ladedrücken, regeln zu können. Für
Dieselmotoren wird die elektronische Ladedruckreglung auch mit Unterdruck
durchgeführt.
Die bisher dargestellten
Ladedruckregelverfahren regeln die Turbinenleistung, indem ein Teil der
Abgasmenge um die Turbine herum geleitet wird. Die verstellbare
Turbinengeometrie ermöglicht es, den Strömungsquerschnitt der Turbine in
Abhängigkeit des Motorbetriebspunktes zu verstellen. Dadurch wird die
gesamte Abgasenergie genutzt, und der Strömungsquerschnitt der Turbine
kann für jeden Betriebspunkt optimal eingestellt werden, sodass gegenüber
der Bypassreglung der Wirkungsgrad des Turboladers und damit der des
Motors verbessert werden.
Die verstellbare
Turbinengeometrie (VTG) mit drehbaren Leitschaufeln ist heute bei modernen
PKW-Dieselmotoren Stand der Technik. Die ständige Anpassung des
Turbinenquerschnittes auf den Fahrzustand des Motors bewirkt eine
Verminderung des Verbrauches und der Emissionen. Das bereits bei niedrigen
Drehzahlen hohe Drehmoment des Motors und eine sorgfältig abgestimmte
Regelstrategie bewirken eine spürbare Verbesserung des dynamischen
Fahrverhaltens.
Die drehbar gelagerten
Leitschaufeln zwischen dem Spiralgehäuse und dem Turbinenrad verändern das
Aufstauverhalten und damit die Leistung der Turbine. Dabei kann der
Durchsatzbereich der Turbine im Verhältnis von 1:3 bei gutem Wirkungsgrad
variiert werden. Bei niedrigen Motordrehzahlen wird der
Strömungsquerschnitt der Turbine durch schließen der Leitschaufeln
verkleinert. Der Ladedruck und folglich das Drehmoment des Motors steigen
in Folge des höheren Druckgefälle zwischen Turbineneintritt und
Turbinenaustritt an. Bei hohen Motordrehzahlen öffnen die Schaufeln. Der
gewünschte Ladedruck wird bei einem niedrigen Turbinendruckverhältnis
erreicht, der Verbrauch des Motors wird verringert. Während der
Fahrzeugbeschleunigung aus niedrigen Drehzahlen werden die Leitschaufeln
geschlossen, um die maximale Energie aus dem Abgas zu gewinnen. Mit
zunehmender Drehzahl öffnen die Schaufeln und passen sich an den
jeweiligen Betriebspunkt an.
Die Ansteuerung der
Leitschaufeln erfolgt heute noch meist elektronisch mit
Unterdrucksteuerdosen und Taktventilen. Zukünftig werden vermehrt
elektrischen Aktuatoren mit Positionsrückmeldung verwendet werden, die
eine exakte und äußerst flexible Regelung des Ladedrucks ermöglichen.
Die Abgastemperatur
moderner Hochleistungs-Dieselmotoren beträgt heute bis zu 830 °C. das
exakte und zuverlässige Bewegen der Leitschaufeln im heißen Abgasstrom
stellt hohe Anforderungen an die Werkstoffe und erfordert eine sehr
sorgfältige Abstimmung der Toleranzen innerhalb der Turbine. Die
Leitschaufeln benötigen unabhängig von der Größe des Laders ein Mindestmaß
an Spiel, um während der gesamten Lebensdauer des Fahrzeuges zuverlässig
zu arbeiten. Mit kleiner werdenden Turboladern steigen folglich die
Strömungsverluste in der Turbine an und der Wirkungsgrad sinkt.
Entwicklungsziel ist es daher, diese Einsatzgrenzen der VTG so weit wie
möglich zu kleinen Turbolader zu verschieben.
Der einfache Aufbau der VST
und die Integration einer Reihe von Funktionen in wenige Bauteile ist
besonders vorteilhaft für kleine Turbinen oder falls hohe
Abgastemperaturen gefordert sind. Die VST eignet sich besonders für kleine
Dieselmotoren unter 1,4 Liter Hubraum, und zwar im Hinblick auf den
Wirkungsgrad, die Kosten und den Bauraum. Für Ottomotoren mit den
bekannten hohen Abgastemperaturen eröffnet sich durch die VST eine
zuverlässige Möglichkeit der Ladedruckreglung mittels einer variablen
Turbine. Der robuste VST-Mechanismus hält den hohen Abgastemperaturen
deutlich besser stand als die sehr feingliedrige VTG. Der für Ottomotoren
wegen dem großen Durchsatz auch bei variabler Turbine erforderlicher
Bypass wird in die Verstellung integriert.
Das Turbinengehäuse ähnelt
dem einer Zwillingsstromturbine. Die Tennwand reicht jedoch nicht bis zum
Eintrittsflansch, sondern beginnt erst in der Spirale. Bei niedrigen
Motordrehzahlen ist nur ein Kanal geöffnet. Eine auf der Konturhülse
gleitende Schiebehülse verschließt den zweiten Kanal. Mit zunehmender
Drehzahl wird der zweite Kanal kontinuierlich geöffnet. Anschließend gibt
sie Schiebehülse einen Bypasskanal fei, der entlang der Außenkontur der
Schiebehülse vom Turbinenaustritt führt. Hierdurch wird der
Durchsatzbereich der Turbine zusätzlich vergrößert.
Für die Verstellung des
Strömungsquerschnittes und die Freigabe des Bypasskanals wird nur ein
Aktuator benötigt. Die Verstellung kann pneumatisch mittels einer
Steuerdose oder eines elektrischen Aktuators erfolgen.